Daniel Cohn-Bendit Kurzbiographie Ich bin am 4. April 1945 in Montauban/Südfrankreich geboren, weil meine jüdischen Eltern 1933 aus Berlin vor den Nationalsozialisten fliehen mußten. Meine Kindheit habe ich in Paris verbracht. 1958 kehrte meine Mutter mit mir nach Deutschland zurück. Ich besuchte die Odenwaldschule, wo ich 1966 das Abitur machte.
In den folgenden Jahren studierte ich Soziologie an der Universität Nanterre in Paris und hatte das große Vergnügen, an der Studentenrevolte in Frankreich beteiligt gewesen zu sein. Hier ging es um das Aufbrechen verkrusteter Strukturen in Universität, Politik und Gesellschaft. Dies ist geglückt, hatte jedoch meine Ausweisung aus Frankreich zur Folge.Ich übersiedelte nach Frankfurt, wo 1967/68 die antiautoritäre Revolte gerade in vollem Gange war. In den 70er Jahren habe ich hier den "Revolutionären Kampf, (RK)" mitbegründet, eine Studentengruppe, die versuchte, mit ArbeiterInnen und Lehrlingen zusammenzuarbeiten. Mit StudentInnen und ArbeitsmigrantInnen habe ich Häuser besetzt, um gegen die Wohnraumzerstörung zu protestieren, habe die Wohngemeinschaftskultur mitgestaltet und schließlich das Stadtmagazin "Pflasterstrand" genannt nach dem Slogan der 68er-Revolte: "Unter dem Pflaster liegt der Strand") aus der Taufe gehoben.Gleichzeitig arbeitete ich in einem antiautoritären Kindergarten als Bezugsperson,, dann als Buchhändler in der Karl-Marx-Buchhandlung in Frankfurt-Bockenheim, dem Stadtteil Frankfurts, in dem die Universität liegt.In den 80er Jahren etablierte ich mich als Autor und Herausgeber zunächst des Pflasterstrandes und dann als Publizist vieler Bücher und Veröffentlichungen. Seit 1984 bin ich Mitglied bei den GRÜNEN, jetzt: Bündnisgrüne. Am Vorabend der 90er Jahre, im Juli 1989, wurde ich im Rahmen der rot-grünen Koalition in Frankfurt am Main Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten, ein Ehrenamt, das ich bis heute innehabe. Ich freute mich über diese Aufgabe und das Wagnis, den Menschen verschiedener Herkunft in der multikulturellen Stadt Frankfurt am Main verantwortlich zu sein, ihr Zusammenleben mitzuformen und zu unterstützen.1994 wurde ich Europa-Abgeordneter der GRÜNEN und bin als europäischer "Bastard", wie ich mich gerne nenne, entschlossen, die Idee Europas gegen jeglichen nationalen Sonderweg und auch gegen jegliche regionale Verengungen zu verteidigen.Im Europäischen Parlament bin ich Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, Sicherheit und Verteidigungspolitik, des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten, sowie der "Delegation Maghreb" (eine Art Unterausschuß, der sich mit Fragen der maghrebinischen Länder Algerien, Marokko und Tunesien befaßt). Darüber hinaus bin ich überzeugtes Mitglied einer Arbeitsgruppe von 120 europäischen Abgeordneten fast aller Fraktionen und Staaten, die wiederum das "Europäische Forum zur aktiven Konfliktvermeidung FEPAC" gegründet haben. Dieses Forum ist offen auch für Persönlichkeiten, die nicht dem Europäischen Parlament angehören. Ziel der Arbeitsgruppe und des Forums ist es "alles zu tun, damit sich Menschen nicht mehr gegenseitig umbringen"; es geht um das Ausloten von Konfliktbewältigungs- und vermeidungsstrategien.Alles andere bin ich geblieben: Ein Wanderer zwischen den Welten, Kulturen, Sprachen, Berufen, Generationen und Schichten und noch immer: selbst spielender Fußballnarr. Daniel Cohn-BenditMitglied des Europäischen Parlaments (GRÜNE)
Mitglied des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main,
Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten Veröffentlichungen(u.a.):
"Linkskapitalismus - Gewaltkur gegen die Alterskrankheit des Kommunismus ",
"Agitationsmodell für eine Revolution" (1968);
"Der große Basar" (1976)
"Reden über das eigene Land: Deutschland" (mit anderen, 1987)
"Wir haben sie so geliebt, die Revolution" (1987)
"1968: Die letzte Revolution, die noch nichts vom Ozonloch wußte" (zusammen mit Reinhard Mohr) 1988
"Rechtsstaat und ziviler Ungehorsam. Ein Streitgespräch" (zusammen mit Joschka Fischer, Alexander Gauland und Jörg Twenhöven) 1988
"Einwanderbares Deutschland oder Vertreibung aus dem Wohlstandsparadies?" (mit anderen, 1991)
"Heimat Babylon: das Wagnis der multikulturellen Demokratie" (mit Thomas Schmid). 1992Filme: "C'est la vie" (1991), "Juden in Frankfurt" (1993).