Die deutschen Schiffsbauer - doch nicht ganz schuldig?

Dienstag, 2. November 1999, 16:06 Uhr
Europas Werftarbeiter wollen erstmals gemeinsam protestieren

Zwickel fordert Sicherung der 120.000 Jobs - Schiffbauer und Gewerkschaften fordern Druck auf Korea

Laut AP Hamburg wollen Europas Werftarbeiter am kommenden Freitag erstmals gemeinsam für den Erhalt ihrer Jobs protestieren. Zugleich soll mit der Protestaktion die Europäische Union aufgefordert werden, so AP, schärfer gegen Dumpingpreise koreanischer Schiffbauer vorzugehen. Allein in Deutschland wollten 20.000 Arbeiter ihrem Unmut Luft machen, habe IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am Dienstag in Hamburg auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit deutschen Schiffbauern gesagt.

Als Grund werden gigantische Überkapazitäten in Südkorea nach Ansicht der Gewerkschaften genannt. Dies habe bei den europäischen Werften zu einem Preisverfall geführt, der den Schiffbaustandort Europa gefährdet. Marktanteile und Jobs der europäischen Werften müssten mit einer aktiven Industriepolitik und der Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen gesichert werden, habe Zwickel gefordert. Er habe zugleich die Aufnahme direkter Verhandlungen mit Südkorea verlangt.

Dieses Land müsse «zur Aufgabe illegaler Wettbewerbspraktiken» gebracht werden, meinte der IG-Metall-Chef. In den 90er Jahren habe das Land die Schiffbaukapazitäten deutlich ausgebaut. Aufgrund der so geschaffenen Überkapazitäten seien die Preise massiv unter Druck geraten. Ein Containerschiff mit einer Kapazität von 3.500 Stellplätzen habe 1993 noch 70 Millionen Dollar (rund 130 Millionen Mark) gekostet, 1997 habe der Preis bei 53 Millionen Dollar gelegen, und heute sei ein solches Schiff für 42 Millionen Dollar zu kaufen. Südkorea arbeitet laut Zwickel mit Preisangeboten, die deutlich unterhalb der Kostendeckung liegen und mit denen europäische Werften nicht mehr mithalten könnten.

Auch Bernard Meyer von der Papenburger Mayer Werft und gleichzeitig Chef des europäischen Schiffbauerverbandes schlug in diese Kerbe und sprach von einem unverständlichen Preisniveau in Korea. «Hier muss Europa seine Zähne zeigen», sagte er. Die EU-Kommission solle härter vorgehen...

Na, dann wird sich Herr Monti als Nachfolger des Wettbewerbskommissars van Miert freuen...und die deutschen Werften erscheinen plötzlich in einem anderen Licht, oder?