Am  25.01.2001 berichtet OTS: US-Agrarministerium will BSE-Tests ausweiten


und fordert umfangreiche Schutz- und Kontrollmaßnahmen: Ein völliges Verbot der Tiermehlverfütterung, eine weitgehende Kontrolle der Futtermittelhersteller sowie eine Ausweitung der BSE-Tests in den USA.

Knapp 100 Millionen Rinder stehen auf den Weiden und in den Ställen der USA, 36 Millionen werden jährlich geschlachtet, 80 Millionen Portionen Rindfleisch konsumieren die Amerikaner täglich. Amerikas Farmer produzieren ein Viertel des weltweiten Fleischbedarfs. Angesichts dieser Zahlen zeigt sich Henson alarmiert über Missstände bei den staatlichen Kontrollen:

Bis 1997 durfte Tiermehl in den USA auch an Rinder verfüttert werden. In das Futter gelangten auch die sogenannten downer cows, Rinder, die aus unerfindlichen Gründen zusammenbrachen und notgeschlachtet werden mussten - 25 000 bis 1 Million Tiere jährlich. Nur ein winziger Bruchteil von ihnen wurde bisher auf BSE getestet. Auch nach dem Verfütterungsverbot von Tiermehl an Wiederkäuer ist das Tiermehl nicht sicher. Wie eine aktuelle Studie der für Lebensmittel zuständigen Food and Drug Administration (FDA) zeigt, hält sich ein Drittel der kontrollierten Futtermittelhersteller nicht an die Kennzeichnungspflicht für Tiermehlzusätze. Ein Viertel der Betriebe trennt die Produktion von Rinder- und anderem Kraftfutter, das nach wie vor Tiermehl enthalten kann, nicht voneinander. Damit sind Verunreinigungen, wie sich auch in Deutschland nachgewiesen wurden, höchstwahrscheinlich.

Eine Entwicklung macht die Verbraucherschützer besonders besorgt: Nach der Verfütterung von Tiermehl aus Rinderkadavern entwickelten amerikanische Zuchtnerze aus elf verschiedenen Beständen BSE-ähnliche Symptome. Zudem wütet in Nordamerika unter Rotwild und Elchen eine BSE-verwandte Krankheit, die chronic wasting disease (CWD). Sie ist, wie Laborexperimente zeigen, prinzipiell auch auf den Menschen übertragbar. Auch wenn die FDA bisher jeden Zusammenhang leugnet, gibt es bereits drei verdächtige Todesfälle: Im vergangenen Jahr starben zwei Männer und eine Frau an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Alle drei hatten wiederholt Rotwildfleisch konsumiert und waren - für die Krankheit absolut untypisch - unter 30 Jahre alt.

Linda Detwiler, die zuständige Veterinärmedizinerin im US-Agrarministerium, will jetzt die BSE-Tests ausweiten. Vor allem die downer cows sollen intensiver untersucht werden. "Wir tun alles, um uns nicht in Sicherheit zu wiegen." Steven Sundlof, FDA-Direktor für Veterinärmedizin mag sich einen BSE-Ausbruch in den USA gar nicht vorstellen: "Mit einem Wort: Das wäre verheerend!" (Quelle: ots)


Der Österreichische Pressetext pte meldet nur einen Tag später:

UN-Lebensmittelbehörde warnt vor weltweiter BSE-Ausbreitung
Expertenkommission erstellt Maßnahmenkatalog


Rom (pte, 26. Januar 01/15:48) - Die UN-Lebensmittelbehörde FAO http://www.fao.org schätzt, dass sich der Rinderwahnsinn weltweit ausbreiten wird. Alle Staaten, die seit den 80-er Jahren Fleisch- und Knochenmehl aus Westeuropa, vor allem aus Großbritannien importiert hätten, könnten von der Krankheit betroffen sein, warnte die Organisation. In Kürze soll ein Expertenrat einen umfassenden Maßnahmenkatalog erstellen.

Staaten, die Tiere oder Fleisch- und Knochenmehl aus den von BSE betroffenen Staaten eingeführt haben, wird ein vollständiger Verfütterungsstopp von Tiermehlen empfohlen. In der Europäischen Union werde die Lage zunehmend ernst, nachdem BSE erstmals an Rindern in mehreren EU-Staaten entdeckt worden sei, betont die FAO. Experten fordern auch Regierungen außerhalb der EU auf, Vorsorge zu treffen, damit sich die Seuche nicht auf Menschen ausbreite. Obwohl die Lebensmittelbehörde grundsätzlich die von der EU eingeleiteten Schritte zum Kampf gegen den Rinderwahn unterstütze, solle die Risikoeinschätzung auch auf weitere Regionen und Kontinente ausgedehnt werden. 

Für EU-Länder wird die Applikation der so genannten "Hazard Analysis and Critical Control Point system (HACCP)"-Methode empfohlen. Das Analysegerät identifiziert mögliche Probleme und ergreift Korrekturmaßnahmen innerhalb der Nahrungskette. Weitere Punkte beinhalten die Produktion von Tiernahrung, die verwendeten Rohstoffe, die Kreuzkontamination in der Nahrungsmittelbetrieben, die Kennzeichnung von Fertigprodukten, Schlachtmethoden und die Verwertung von Schlachtabfällen.

In naher Zukunft will die FAO mit der WHO http://www.who.int  und der Internationalen Organisation für Tiergesundheit (OIE) http://www.oie.int  eine Expertenrunde einberufen. Diese soll speziell auch für Entwicklungsländer einen Prasixbericht ausarbeiten, der die Bevölkerung vor der varianten Kreutzfeld-Jakob-Erkrankung, den Tierbestand vor BSE und die Industrie vor Handelsbeschränkungen und deren Auswirkungen bewahren soll.

 

Siehe hierzu Kommentar von Gudrun Seidl