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Teil II - Der
EU-Ministerrat und die EU-Kommission [pdf]
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von Gudrun Seidl,
Fachjournalistin EU-Recht, EU-Politik
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Freiburg im Breisgau 03. April 2004 [cen] Zu
Weihnachten 2002 hatte cenjur an einem PC-Beispiel gezeigt, wie Kommission
und Ministerrat VOR den Augen der Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter
systematisch Produktionsstätten und damit Arbeitsplätze in Europa
vernichten. Einerseits bestehen nämlich innerhalb der EU Schutzzoelle
gegen gedumpte oder subventionierte Einfuhren aus nicht zur Gemeinschaft
gehörenden Ländern (Drittstaaten) – andererseits hebt sich ganz
offensichtlich der hinter verschlossenen Türen tagende Ministerrat
unter Zuhilfenahme oder auf deren Vorschlag der Hüterin der Verträge
einfach nach eigenem Gutdünken die Zolltarife per Verordnung auf oder
setzt sie per Verordnung wieder ein (Kommission strickt passgenaue Muster
dazu). Ob aber wann und wie lange dies gemacht werden darf, ist eigentlich
geregelt, siehe Anmerkung von cenjur dazu. Uneigentlich scheint das aber
Ministerrat und Kommission nicht zu interessieren. 20 Jahre sind durchaus
üblich (siehe dazu Pressemeldung von cenjur zu Weihnachten 2002 auf
Seite 2 das dort in rot Geschriebene zur Ratsentscheidung aus 1964). Wen
verwundert es da noch, dass fast alles an einem PC Vorhandene nicht in
und von der Gemeinschaft, sondern in Billiglohn-Drittstaaten hergestellt
wird (siehe insbesondere die Ratsverordnung 950 aus dem Jahre 1968 oder
1 aus 1971). 2 weitere Beispiele:
Verordnung (EWG) Nr. 1569/80 des Rates vom 18. Juni 1980 ueber die
zolltarifliche Behandlung bestimmter Erzeugnisse, die zur Verwendung beim
Bau, bei der Instandhaltung oder der Instandsetzung von Luftfahrzeugen
bestimmt sind Amtsblatt nr. L 159 vom 25/06/1980 S. 0001
"...Eine begrenzte Anzahl in der Gemeinschaft nicht erhaeltlicher
Erzeugnisse wird ausserdem bei der Instandhaltung oder der Instandsetzung
bestimmter Flugzeug- und Hubschraubertypen mit einem Leergewicht vom mehr
als 2 000 kg bis 15 000 kg einschliesslich benoetigt. Es ist daher angebracht,
die Zoelle des gemeinsamen Zolltarfs fuer diese Erzeugnisse auszusetzen..."
Offensichtlich "einfach" ausgesetzt wird auch
hier:
"Bulletin EU 10-2001 - Gemeinsame Handelspolitik (7/19) 1.6.32. Vorschlag
für eine Verordnung des Rates zur Änderung der Verordnung (EG)
Nr. 1255/96 zur zeitweiligen Aussetzung der autonomen Zölle des Gemeinsamen
Zolltarifs für bestimmte gewerbliche und landwirtschaftliche Waren
sowie Fischereierzeugnisse.
Anmerkung cenjur: Auszug
aus der Verordnung 1255/96:
"....Die in dieser Verordnung
genannten Waren werden in der Gemeinschaft gegenwaertig nicht oder nur
in unzureichender Menge hergestellt. Die Hersteller koennen somit den Bedarf
der verarbeitenden Industrien der Gemeinschaft nicht decken. Es liegt im
Interesse der Gemeinschaft, die autonomen Zollsaetze des Gemeinsamen Zolltarifs
fuer diese Waren vollstaendig oder teilweise auszusetzen. Es obliegt der
Gemeinschaft, die Aussetzung dieser autonomen Zollsaetze zu beschliessen...."
Zu ändernde Verordnung: Verordnung (EG) Nr. 1255/96 des Rates
- ABl. L 158 vom 29.6.1996 -, zuletzt geändert durch die Verordnung
(EG) Nr. 1159/2001 - ABl. L 169 vom 23.6.2001
Annahme durch die Kommission am 16. Oktober. Dieser Vorschlag erfolgte
auf Grund der von den Mitgliedstaaten vorgelegten Anträge auf zeitweilige
Aussetzung der autonomen Zölle des Gemeinsamen Zolltarifs und umfasst
eine Liste der Erzeugnisse, für die eine Aussetzung oder Verringerung
der Zölle gerechtfertigt ist, sowie der Waren, für die im Gegensatz
dazu die Aufrechterhaltung der Zollaussetzung angesichts der wirtschaftlichen
Interessen der Gemeinschaft nicht mehr gerechtfertigt ist. [KOM(2001) 587]
So lässt sich dies auch in anderen Fällen
beliebig fortführen. Nun überlegen Sie sich, wer Deutschland
bei diesem hinterhältigen Arbeitsplatzvernichtungsspiel ("....Die
in dieser Verordnung genannten Waren werden in der Gemeinschaft gegenwaertig
nicht oder nur in unzureichender Menge hergestellt. Die Hersteller koennen
somit den Bedarf der verarbeitenden Industrien der Gemeinschaft nicht decken.
Es liegt im Interesse der Gemeinschaft, die autonomen Zollsaetze des Gemeinsamen
Zolltarifs fuer diese Waren vollstaendig oder teilweise auszusetzen. Es
obliegt der Gemeinschaft, die Aussetzung dieser autonomen Zollsaetze zu
beschliessen....") durch Kommission und Ministerrat
vertreten hatte und vertritt: heute Verheugen und Schreyer, gestern Bangemann
und die ehemalige ÖTV-Vorsitzende Wulf-Matthies.
Hauptschuldiger der EU-Ministerrat, der nun auch
noch auf 25 Mitglieder, dazu noch aus den Ostblockstaaten (!) anwachsen
soll - und das bei diesem bereits seit Jahrzehnten vorhandenen - in Unkenntnis
des EU-Rechts unbeanstandeten (!?) - Produktionsstättenvernichtungsverhalten.
Schuldig auch die Hüterin der Verträge
als offensichtlich williges Ausführungsorgan, die dominiert wird vom
sogenannten Minirat. Prodi wollte mehr Transparenz in die EU-Kommission
bringen. Das genau aber hat er nicht, sondern noch mehr verschleiert. Er
ordnete nicht nur die Generaldirektionen neu, er ordnete sie auch im Laufe
seiner Amtszeit nach einem polyhierarschichen Muster unterschiedlichen
Kommissariaten zu. Was will ich mit diesem Begriff sagen?
Die Generaldirektionen (GD oder auch DG im Englischen
und Französischen) sind nicht so gegliedert und zugeordnet, dass jedes
Kommissariat seine zuständige GD und jede GD das für sie zuständige
Kommissariat hat, sondern mehrere GDs für ein und dasselbe Kommissariat
zuständig sein können. Man weiss es nicht; man merkt dies nur,
wenn man an einem Fall recherchiert und ständig hin und her gereicht
wird. Diese Undurchsichtigkeit, diese Verschleierung schaffte Prodi. Ob
bewusst oder unbewusst - da er Professor ist und an dieser Stelle sitzt
(wo man nicht von ungefähr einfach so einmal hingelangt) gehe ich
von Ersterem aus - diese Undurchsichtigkeit und Verschleierung muss raus!
Hier meine Infos zur neuen Prodi-Kommission aus
1999 und 2000, wo es mir eben genau um diese Transparenz ging, wie sie
offensichtlich zunächst von Prodi geplant war, sich aber dort bereits
Prodi diese Hintertür, durch die er dann im Laufe seiner Amtszeit
gegangen ist, wie folgt offenhielt:
"...Ressortzuteilung
Die Ressorts wurden noch vor der ersten Kommissionssitzung entsprechend
dem Profil und der Erfahrung jedes Kommissionsmitglieds zugewiesen. "Ich
wollte eine Nacht der langen Messer vermeiden", sagte der neue Präsident.
Er schloß nicht aus, daß er seine Befugnisse aus dem Vertrag
von Amsterdam nutzen werde, um die Ressortverteilung während der Amtszeit
der Kommission zu ändern..."
Es wird Zeit, dass endlich die deutschen Medien
mit cenjur DIE angreifen, die die wirklich Schuldigen mit weitreichenden
Folgen für die Zukunft unserer Jugend und unseres Planeten sind.
Nochmals: das ist nicht das Europa-Parlament,
das sind, wie oben als Spitze des Eisbergs aufgezeigt, EU-Ministerrat und
EU-Kommission als Hüterin der Verträge.
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http://www.cenjur.de/EPC/pm_epc.htm
http://www.cenjur.de/EPC/241202p.pdf
http://www.cenjur.de/europa/ert.htm
http://www.cenjur.de/pages/prokom.htm
http://www.cenjur.de/pages/prodi2.htm
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Teil I - Wie handlungsfähig ist/bleibt noch die
EU-Kommission?
Zwischenbilanz über Zu- und Missstände
in der Union [pdf]
von Gudrun Seidl,
Fachjournalistin für EU-Recht,
EU-Politik
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Straßburg/Freiburg i.Br. 01.04.2004 [cen]
Bekanntlich steht die Europäische Union vor dem grössten
Umbruch seit ihres Bestehens. Höchste Zeit für eine
Zwischenbilanz. Wir erinnern uns:
Januar 1999 Beginn des Ratsvorsitzes
Deutschland, der gleich von 2 ganz anderen als geplanten,
gravierenden Ereignissen überschattet wurde: fast
zeitgleich traten sie zurück: der Bundesfinanzminister
Oskar Lafontaine
und die Santer-Kommission.
Nur Monate später berichtet das
Schwäbische Tagblatt mit dem Titel "Die CDU am
Abgrund"von der CDU-Spendenaffaire. Im Jahr 2000 war
"BSE" Thema Nummer 1...
Im Mai 2004 - wenn alle nationalen
Parlamente vorher die Erweiterung ratifiziert haben
müssen (Einstimmigkeit erforderlich!) - vergrössert sich
die EU von 15 auf 25 Mitgliedstaaten, zwar keine
Verdoppelung aber immerhin eine Vergrösserung um 66 %!
Im Juni Neuwahl des EU-Parlaments und
damit, wenn vorher alle nationalen Parlamente den
Beitrittsvertrag ratifiziert haben – und nur dann! - mit
neuen Abgeordneten aus den neuen Ostblockstaaten.
Gleich im Herbst diesen Jahres Neuwahl
der EU-Kommission, verbunden mit dem bekannten Postengeschachere...
Jeder Punkt für sich ist ein bisher
einmaliges Grossereignis seit Bestehen der EU, das Europa
verändern wird. Bleibt also die bange Frage, wie in all
dem der Mitgliedstaat Deutschland und die Hüterin der
Verträge, die EU-Kommission, aussehen. Und die sehen, wie
1999, gar nicht gut aus:
Die Euro-Umstellung ist noch nicht
verkraftet und wird nach Auskunft von Psychologen in den
derzeitigen Mitgliedstaaten noch mindestens 3 Jahre in
Anspruch nehmen, da das Langzeitgedächtnis zu
berücksichtigen ist, jedoch bei Währungsumstellung nicht
berücksichtigt wurde; ein gravierender Fehler der
EU-Kommission, der auch in den neuen Beitrittsstaaten
vorzufinden sein wird.
Wesentliches EU-Recht (Richtlinien und
Verordnungen) ist von den bisherigen Mitgliedstaaten
(geschweige denn von den neuen!) noch nicht in nationales
Recht umgesetzt, was nicht nur enorme Kosten für die
einzelnen Staaten und ihre Bürger nach sich zieht,
sondern gravierende Benachteiligungen des
Wettbewerbs wie
auch unsere verschiedenen Anfragen aus der Vergangenheit
an die Kommission belegen.
Von irgendwelchen Konzepten oder gar
Konzernbestandsaufnahmen seitens Kommission oder
EU-Ministerrat keine Spur!
Zwar erstellt die Kommission eine
Übersicht – die nur bedingt einsehbar ist – über den
Stand der Rechtsetzung, doch beinhaltet diese Übersicht
keinerlei Zahlenmaterial über noch zu erwartende
Umsetzungskosten oder gar Gesetzesfolgenabschätzungen
(hier sei analog auf die Gesetzesfolgenabschätzung
(gesamtgesellschaftliche Kosten, Wirksamkeitsprognosen) in
Deutschland und einer ausgezeichneten Stellungnahme dazu
von Professor Rupert Scholz vom 25. Juni 2003 verwiesen).
Weder wurde noch wird dies bisher von
der Kommission gemacht. Ein weiterer gravierender Mangel
nach dem Fehlen einer Bewertung der Chancen- und
Waffengleichheit der Konzerne und Banken seit 1957!
Statt dass wir in diesem Zustand eine
exzellent aufgestellte EU-Kommission antreffen, kommt im
Juli 2003 die nächste Betrugsaffaire im Hause der
EU-Kommission mit "eurostat", über die Thorsten
Zimmermann, Konrad-Adenauer-Stiftung, so berichtet
"Mangelnde Führungskraft und zugeschobene
Verantwortung - Betrugsskandal im EU-Statistikamt Eurostat".
Im Winter 2003 verarbschieden sich
bereits die ersten Kommissare, darunter der Präsident der
EU-Kommission zu Wahlaufstellungen in ihre Heimatstaaten.
Dazu Markus Ferber, EVP-ED/CSU, am 12. November 2003:
"Kommissionspräsident Prodi kann nicht auf zwei
Hochzeiten gleichzeitig tanzen" - Der
CSU-Europaabgeordnete bezeichnete die Absicht Prodis, sich
offenbar als Spitzenkandidat einer italienischen
Mitte-Links-Liste für die nächsten Europawahlen
aufstellen zu lassen als "absolut inakzeptabel".
Aus Paris ist zu hören: Präsident Jacques Chirac bildet
Regierung um - EU-Kommissar Michel Barnier wird neuer
französischer Außenminister, Berliner Morgenpost online
vom 01.04.2004, 11.50 Uhr.
Was, bitte, ist das für eine
Kommission?
Und der Mitgliedstaat
Deutschland?
Statt die Bürger aufzuklären, für Transparenz,
Volksentscheide und Chancengleichheit zu sorgen, die
Sprachendiskriminierung und damit Wettbewerbsverzerrung zu
beseitigen, liest sich das auf den Seiten der
Bundesregierung so:
"...Am 27. Februar startet der
Europa-Bus die zweite Etappe seiner Tour quer durch
Deutschland. Er macht in diesem Jahr in 24 Städten
Station. Seine Aufgabe: Die Bürgerinnen und Bürger über
die Erweiterung der Europäischen Union und die Wahlen zum
Europäischen Parlament am 13. Juni 2004 zu
informieren..."
Von wem wer für diese Aktion welche
Gelder auf wessen Kosten erhält, auch das sagt man
wiederum dem Bürger – sicherheitshalber - nicht. Wozu
auch? – Die Datei auch noch "Europa kommt den
Buergern naeh.htm" zu nennen, und von "Europa
– eine gute Wahl" zu sprechen - ist wohl für den
Bürger eher als Witz, denn als Realität zu verstehen.
Kontrollieren, spionieren,
abkassieren
ausverkaufen an die Wand fahren und für nichts haftbar
gemacht werden können – das ist der Mitgliedstaat
Deutschland; "Liebling der Aktionäre", wie
Gabor Steingart vom Magazin "Der Spiegel" (Zustand
Deutschlands siehe Spiegel-Ausgaben 11 und 14/2004)
trefflich vor einigen Tagen in einer Fernsehrunde sagte...
So hat denn auch die Bundesrepublik Deutschland bis zum
heutigen Tage keine Verfassung, sondern nur Artikel 146
und ein Grundgesetz. Und was, bitte, wird aus dem
Deutschen Reich, was geschieht am 08. Mai 2005, wenn die
60 Jahre vorbei sind? – Mehr Demokratie wagen –
schöne Worte, denen die notwendigen Taten fehlen!
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