Hilmar Kopper am 17. Januar 2002 in BerlinOnline
 
Leserbrief von Gudrun Seidl an BerlinOnline vom 17. Januar 2002, 17.44 Uhr:

 

Sehr geehrter Herr Kopper,

mit Interesse habe ich Ihre Ausführungen hier zur Kenntnis genommen. Auch ich hatte keine Berührungsängste mit rot/rot, allerdings mit einer anderen Begründung: die Aktionärsstruktur und Eigentümerschaft unserer Grosskonzerne hat sich dramatisch verändert. Was von den Nieten mit Nadelstreifen als Globalisierung bezeichnet wurde und wird, hat der Nation Deutschland nicht die erhofften Arbeitsplätze, sondern Vermögensverluste ungeahnten Ausmasses und Arbeitsplatzverluste in Millionenhöhe mit zunehmender Tendenz beschert. Von wem war noch das auf den heutigen Zustand unserer Nation treffliche Zitat: "Verluste werden sozialisiert, Gewinne privatisiert"? Privatvermögen weg (Privatisierung des Bundesvermögens von 1959 bis 2001), Arbeitslose mit zunehmender Tendenz, das ist die traurige Bilanz, die unsere Nation per 01.01.2002 eröffnete - 1989 hiess es noch DM-Eröffnungsbilanz - heute Euro-Eröffnungsbilanz.

Nun denn, Herr Kopper, legen wir doch endlich die Karten auf den Tisch. Sagen Sie dem deutschen Unionsbürger, wie es um ihn und unsere Nation wirklich bestellt ist. Denn die Realität lautet nicht, wie Sie schreiben: "...So gebe es hier zu Lande inzwischen Niederlassungen von mehr als 20 000 ausländischen Firmen, die etwa zwei Millionen Menschen beschäftigten...", die traurige Realität lautet: wer ist im Besitz des mindestens 50,1%igen Aktienkapitals deutscher Grosskonzerne? Wieviel Beschäftigte gibt es bei ausländischen Investoren deutscher Grosskonzerne? Der deutsche Unionsbürger muss es nämlich wissen, damit ihm klar wird, warum er seinen Arbeitsplatz verliert, sei dies nun bei der Deutschen Bank oder bei der Adam Opel AG. Die Anteilseigner (Aktionäre) der Grosskonzerne machen den Profit, zerschlagen die Konzerne und verkaufen. Weiteres trauriges Beispiel: VEBA - ARAL - DEA - Deutschland wird abhängig, merkwürdige Globalisierung, finden Sie nicht auch?

Warten wir ab, wann VEBA - e.on feindlich übernommen wird. Hierbei können sich Kapitalanleger todsicher auf das Bundeskartellamt und Monti verlassen; die abenteuerlichen Überprüfungen der Vergangenheit sprechen für sich.

Gudrun Seidl, cenjur CE juristisch-politisches Info-Magazin

 

Deutsche Bank AG: nehmen wir einmal an, der Hauptsitz der Deutschen Bank würde zB nach London verlegt. Wie ist denn dort das Gehaltsniveau; wären dort auch den Angestellten zB 13,5 Gehälter zu zahlen? Hat nicht ein Kapitalanleger oder Global-Player ganz andere Interessen? Sind die - eigentlich - so mit Deutschland vergleichbar, mit einem Land, das über das beste Sozialnetz weltweit verfügt? Warum ist denn Deutschland selbst bei einer rot/roten Regierung noch für Kapitalanleger interessant? Wird unter dem Motto "Globalisierung" Geld aus unserem Land gezogen? Was würde das für unsere arbeitende Bevölkerung bedeuten, Arbeitsplatzerhalt, Arbeitsplatzbeschaffung oder Arbeitslosigkeit? 

 

Gott sei Dank hat Deutschland noch "Mutter" Allianz mit Namensaktien!

 

Gudrun Seidl, cenjur CE juristisch-politisches Info-Magazin von SEIDL
seit 12 Jahren tätig auf dem Gebiet des EU-Rechts (Bearbeitung/Produktion) und EU-Berichterstattung
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